1860

Architektur in den Bergen

Die für die Gegend herausragende Architektur der Landvilla zeugt von materiell potenten Bauherren und beeindruckt daneben auch durch die intelligente Wahl des guten Standorts in einer sonst eher unwegsamen, in den kühleren Jahreszeiten auch weniger sonnigen Gegend.

Nahezu perfekt positioniert aufgrund seiner sonnigen, nach Süden ausgerichteten Lage, auf dem Schotterfeld eines vor etwa 5200 Jahren stattgefundenen Felssturzes inklusive eigener Quelle mit Wasser ohne Oberflächenweg erwecken die meterdicken Mauern, die auch den dunklen Jahre des II. Weltkriegs sowie der Lieblosigkeit und Ignoranz der postnationalsozialistischen Ära Österreichs zu trotzen im Stande waren, den Eindruck, man habe für die Ewigkeit gebaut.

Aufgrund der geografischen Lage, der einzigartigen Architektur, der zeitlichen Entstehung sowie der einstigen Dunkelkammer (!) zur Ausarbeitung von Fotografien – ein um die letzte Jahrhundertwende neu auftauchendes Hobby, welches zu dieser Zeit hierzulande auf noch einige wenige „Künstler“ begrenzt war, darf man davon ausgehen – trotz Unauffindbarkeit von alten Plänen –  dass das gesamte Anwesen im Auftrag des damals in der Region lebenden und beheimateten Großgrundbesitzers Albert Salomon Rothschild vom Architekten Ferdinand Fellner (sen.) sowie seinem ab 1866 den Betrieb leitenden Sohn Fellner jun. geplant und erbaut wurde. Die Zukeusche wurde als Bahnhofsgebäude adaptiert. Albert Salomon Rothschild, auch Salbert, welchem die ÖsterreicherInnen bis heute einen großen Anteil auch noch heute bestehender Infrastruktur (technisch aber auch sozial) zu verdanken haben, war bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieg zum größten Großgrundbesitzer und wichtigsten Financier für innovative infrastrukturelle Bauprojekte in der endenden Monarchie aufgestiegen. Seine Leistungen finden bis dato als Resultat der nationalsozialistischen Propaganda in den österreichischen Geschichtsbüchern erst schleppend Erwähnung.

Der Architekt des Flussbahnhof, Ferdinand Fellner sen. gilt allgemein als Schlüsselfigur für oder als Begründer des Wiener Historismus, welcher bis heute mit seinen zahlreichen Bauwerken das Stadtbild Wiens, wie wir es kennen, nachhaltig prägt, und welches ohne dem Kunstverständnis der (oftmals jüdischen) BauherrInnen dieser Zeit, oder den unendlichen Summen an Geldmitteln, die die Verwirklichung solcher enormer Projekte damals wie heute benötigen, nicht exisitieren würde.

Der Sohn Ferdinand Fellner jun., der bereits ab 1866 seinen herzkranken Vater unterstützte und ab 1873 mit dem jungen Hermann Helmer, Sohn des langjährigen Geschäftspartners des Vaters, diejenige Baufirma gründete, welche bis 1919 verantwortlich für den Bau von rund 60 Opernhäusern, Theatern und anderen repräsentativen, für den öffentlichen kulturellen Genuss bestimmte Bauwerke Mitteleuropas war, muss bei diesem Auftrag bereits beteiligt gewesen sein. Hermann Helmer befasste sich zudem in seinen Forschungen mit der Optimierung von Brandschutzmaßnahmen für diese öffentlichen, massentauglichen Gebäude. Vielleicht ist es auch ihm zu verdanken, dass das Hauptgebäude des Springerhofs trotz mehrmaliger Brandattacken im letzten Jahrhundert noch immer fest verankert steht.